Vorhin hopste mir so ein blödes Eichhörnchen direkt unters Auto. Beim Zurückgucken stellte ich dann aber fest, dass ich es nicht überfahren hatte. Trotzdem…

Mein Sohn zog die Augenbrauen hoch und meinte trocken:

„Ach Mama, reg Dich doch nicht so auf. Darwin hätte darüber nur geschmunzelt…“

…hat irgendwer Geburtstag. Vor einem Jahr hatte der auch schon Geburtstag, und da war’s mir egal. Vor zwei Jahren war es mir auch egal. Vor drei… ich weiß es nicht mehr genau. Ich weiß, dass ich vor sieben Jahren gratuliert habe. Ich hätte auch vor acht oder neun Jahren gratulieren können, denn da kannten wir uns schon, aber es ist nicht ganz einfach, das festzustellen. Ich habe gerade bemerkt, dass ich über 1600 Blogeinträge im Laufe meiner Karriere von Blog.de und hier geschrieben habe, und ich schaffe es nicht, jährlich zu wechseln, sondern nur monatlich. Wenn ich 2010 gratuliert habe, dauert es (auch dank meines echt lahmen Notebooks) bis 2019, um das herauszufinden.

Aaaaaalso, jedenfalls, dieses Jahr ist es mir nicht egal, und ich hab es auch nicht vergessen, und es ist wichtig, und ich freue mich, und deshalb:

Alles Gute zum Geburtstag. Und ich bin unglaublich glücklich, dass Du wieder da bist.

Vermutlich sollte ich jetzt noch ein stimmungsvolles Bild anhängen. Schwierig. Hab nichts mit Blümchen in meinem Bilder-Ordner, nur was mit Schildkröten. Oder Schnecken. Ich hab nicht mal nackte Frauen da (warum auch?). Ich habe ein Bild vom Inneren eines handgearbeiteten Puppen-Wohnmobils, aber ob das das Richtige ist… da wäre auch noch ein Foto von einer Baby-Ratte, die mal bei meinem Sohn zwecks Aufpäppelung für einen Nachmittag zu Besuch war. Eher nicht, oder? Ein Bild von falschparkenden Autos? Hund? Viele Hunde? AUCH NICHT? Du bist aber echt anspruchsvoll. Oh, warte, ich hab’s. Was ganz Privates, ein Bild von meinem Job (und glaub mir, sowas Ähnliches IST schon vorgekommen):

Hab einen schönen Tag…

 

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rief, und alle, alle kamen.

Naja, gut, nicht ganz alle. Aber doch so einige. Und erklärten sich bereit, ein Stück aus dem von ihm ausgesuchten Text handschriftlich zu kopieren und ihm zu überlassen, auf dass das Gesamtwerk sodann… ach, lest es euch doch selber durch. Der Link ist ja da.

Jedenfalls war ich eine derjenigen, die sich bereiterklärt hatten, ein Stück seines Textes abzuschreiben. Und so saß ich dann da, heute morgen. Und grübelte. Ich denke, ich kann einigermaßen ordentlich schreiben. Wenn ich mir Mühe gebe. Wenn ich mir viel Zeit nehme. Und wenn das, was ich schreibe, die nächsten 500 Jahre überdauern soll, ohne dass es mir im Jahre 2518 peinlich ist. Meine normale Schrift ist das allerdings nicht. Für meine Alltagsschrift wurde ich schon in der Grundschule getadelt und schaffte es nur mit viel gutem Willen auf eine 3 im Zeugnis. Und diese Eigentlich-nicht-mehr-3-Schrift ist die, in der ich meine Einkaufszettel schreibe. Die, in der ich Telefonnummern hinkritzle, wenn es schnell gehen soll. Die, in der ich die Maße des Kleiderschranks notiere. Es ist nicht die Schrift, die unsere Lehrerin uns beizubringen versuchte – es ist die Schrift, die ich daraus gemacht habe. Mit Haken, wo keine hingehören, mit offenen Buchstaben, die geschlossen gehören und mit einer Neigung nach rechts oder links (das ist bei mir stimmungsabhängig!) von der unsere Grundschullehrerin absolut nicht begeistert gewesen wäre.

Es ist auch die Schrift, die ich für meinen Teil des Textes benutzt habe.

Und irgendwie kam mir das merkwürdig vor.

Meine Schrift ist schon seit vielen Jahren nicht mehr öffentlich. Wenn ich etwas zu sagen habe, tippe ich das im Computer. Selbst die Menschen, die mir wirklich nahestehen,  könnten meine Schrift vermutlich nicht von hunderten anderer Schriften unterscheiden (sogar bei nur zweien zur Auswahl hätten sie eine 50%ige Chance, zu versagen).  Und ich ihre nicht. Ich weiß bei einigen wirklich guten Freunden nicht mal, ob sie mit einem Stift schreiben können .

Wie anders war das früher, als man noch erwartungsvoll zum Briefkasten rannte und mit klopfendem Herzen seine Adresse, geschrieben in der Schrift eines Menschen erkannte, der weit genug von einem entfernt war, um sich brieflich verständigen zu müssen – aber dem Herzen nahe genug, um jede Eigenart der Schrift zu lieben, die NICHT  den Versuchen des Lehrers geschuldet war, alle Kinder zu einer Einheitsschrift zu erziehen. Ich bin alt genug, um mich noch an eine Zeit zu erinnern, in der nicht das „Pling“ des Posteingangs oder das Niesen von Whatsapp (nein, fragt nicht. Meine Söhne haben einen komischen Humor) eingehende Nachrichten ankündigten.  Natürlich kenne ich auch die Vorteile. Wenn ich jemandem sofort mitteilen muss, dass es heute Bratkartoffeln zu essen gibt, dass ich ihn liebe oder dass die Schildkröte in ihr Badewasser gekackt hat, dann sind Emails mit ihren immer gleichen Buchstaben immerhin in der Lage, diese wahnsinnig wichtigen Informationen sofort weiter zu geben. Und nicht erst nach dem Schreiben, Eintüten, be-Marken, zum Briefkasten bringen, Einsammeln, Verteilen und Austragen der papiernen Briefe. Bis dahin sind die Bratkartoffen nämlich kalt. Und ich hoffe sehr, dass ich das Krötenbadewasser bis dahin ausgwechselt habe.

Wenn ich ehrlich bin – es kam mir beinahe schon unanständig intim vor, diese meine Alltagsschrift zu benutzen und sie öffentlich zu machen.

Und ein weiteres Rätsel wurde nun durch Trithemius‘ Projekt öffentlich: Wieso um Himmels Willen schreibe ich die kleinen Bs, gleich ob am Anfang des Wortes oder in dessen Mitte, immer unterschiedlich? Ich habe, nur so aus Interesse, dieselben Wörter nochmal geschrieben und versucht, alle Gedanken an die Bs vorher auszuschalten. Ich schrieb alle Wörter tatsächlich nochmal mit denselben Bs wie in Trithemius‘ Text. Ich scheine irgendein geheimes System zu benutzen.

Es ist so geheim, dass ich es selber nicht kenne…

Okaaay… ja… ich meine, ich wusste schon, dass der Mann meines Herzens zu Dominanz neigt und auch gewissen sadistischen Handlungen nicht abgeneigt ist. Aber dass er mich zwingt, eine volle Folge „Dschungelcamp“ zu gucken und die Fernbedienung so hinlegt, dass ich nicht rankomme, ohne mich zum Affen zu machen (und das, wo wir nicht mal ein Safeword haben!) ist schon echt ein bisschen sehr heftig.

In dem Moment, wo diese kunstblonde, großmöpsige Person, die von sich selber sagt, sie sei ja gar nicht so dumm, das glaube nur niemand, feststellte, etwas sei besser als wie wenn… was auch immer… wünschte ich mir von ganzem Herzen eine altmodische BDSM-Beziehung, so mit Fesseln und so.

Aber nachdem ich jetzt herausgefunden habe, wofür die Abkürzung „ibes“ steht (ich muss zugeben, ich wusste es nicht. Ich hab das vorher nie gesehen!) ist mir auch klar, WER da neulich lauthals „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ gebrüllt hat. Es muss die Kakerlake im Ohr von Daniele gewesen sein. Dank Doktor Bob wurde sie dann ja auch aus der Hölle gerettet.

Ach so… falls meine Mama hier mitliest: War’n Witz. Und Du sollst sowieso nur die Seiten mit den Poesiealbumeinträgen lesen. Und die mit den klugen Sprüchen, die kannst Du auch. Wie den hier:

„Mama“, sagt mein Kind und sieht nachdenklich an seinem äußerst hochpreisigen und extrem angesagten Outfit herunter, „es ist wohl doch besser, bei Schnee eine Hose ohne Löcher anzuziehen“. Und er wischt eine Handvoll Schnee von seinem nackten Bein weg.

So wie meinem Kind geht es derzeit wohl vielen Hamburgern. Sie lernen etwas über das Wetter. Zum Beispiel, dass man einen längeren Bremsweg hat, wenn nicht geräumter Schnee auf den Straßen liegt und die Umgebungstemperatur sich bei 0 Grad eingependelt hat. Das nämlich lässt den Schnee bezüglich seines Aggregatzustandes nachdenklich werden – soll er nun wässrig werden oder eher nicht? Heute hat er sich für beides gleichzeitig entschieden (oder eben für gar nichts, man kann ihn schlecht fragen).

Ich habe auch etwas gelernt. Zu meiner eigenen Beruhigung halte ich an Ampeln neuerdings mit einem ungewohnt riesigen Abstand hinter meinem Vordermann. Wenn ich dann im Rückspiegel sehe, dass da wieder ein Auto viel zu schnell auf mich zukommt, gebe ich einfach ein bisschen Gas und schliddere noch ein paar Meter auf meinen Vordermann zu. So hat der hinter mir die Chance, mich nicht anzufahren. Eigentlich eine gute Sache.

Wer dagegen eher nicht zu lernen scheint, ist die Hamburger Stadtreinigung.

„Oh… Schnee im Januar? Wie ungewöhnlich“, sagt sie und räumt murrend die bereits im Sommerschlaf liegenden Räum- und Streufahrzeuge aus den Kellern… hmmm… nein, vermutlich ist das nicht so abgelaufen, aber Tatsache ist, eine der am meisten befahrenen Hamburger Hauptverkehrsstraßen war eben, mehrere Stunden nach Beginn des Schneefalls, noch nicht von der glibberigen Schneepampe befreit worden (ich weiß das, weil ich darauf fahren musste!). Vor einigen Jahren stellte sich ja heraus, dass das auch gar nicht die bevorzugten Routen der Stadtreinigung waren. Stattdessen wurden einige winzige Anliegerstraßen (gerne auch Sackgassen) sorgfältig von der Schneelast befreit. Interessanterweise waren das Straßen, in denen hochrangige Politiker mit lockerer Brieftasche und einer tiefsitzenden Abneigung gegen den Gebrauch von Schneeschiebern wohnten. Man mag daraus Schlüsse ziehen oder nicht – einige Hamburger Zeitungen taten das. Seitdem hat auch die Stadtreinigung dazu gelernt. Meistens sind die Hauptstraßen inzwischen tatsächlich zuerst dran.

Außer heute mal.

Ich habe aus dem Wetter auch etwas gelernt. Ich bleibe für den Rest des Tages zuhause. Mit Tee und Keksen. Sollen die da draußen doch machen, was sie wollen. Ich mache es mir gemütlich…